Staatsverschuldung: Gründe und Folgen
Die Weltfinanzkrise sowie die Eurokrise rückten die Gründe und Folgen einer Staatsverschuldung vermehrt ins Zentrum. In diesem Dossier finden Sie wichtige Punkte zum Thema.

Die Staatsverschuldung beschreibt den Schuldbetrag des Staates zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie unterscheidet sich in eine interne (inländische) und eine externe (ausländische) Verschuldung. Bei einer internen Verschuldung leiht der Staat von seinen Schuldnern Geld in inländischer Währung. Die externe Verschuldung bedeutet, dass der Staat sich Geld in ausländischer Währung leiht. Ein Staat ist insolvent, wenn er seine externen Schulden nicht mehr bezahlen kann. Die Schuldenlast berechnet sich mittels folgender Kennzahlen: das jährliche Budgetdefizit, der Schuldenstand (Summe aller Budgetdefizite) und das Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Das Verhältnis zwischen den Schulden eines Staates zu seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ergibt die Defizitquote. Diese Quote stellt das Verhältnis des Haushaltsdefizits zum BIP eines bestimmten Jahres dar. Für die Bewertung der Verschuldung eignet sich die Defizitquote, da die Schulden eines Landes in Relation zur Leistungskraft seiner Volkswirtschaft gesetzt werden.
Gründe
Warum verschuldet sich ein Staat? Der Staat kann sich verschulden, wenn er grössere Investitionen tätigt oder wenn er mit einer einmaligen, aussergewöhnlichen Notsituation, wie beispielsweise einer Naturkatastrophe, konfrontiert wird. Ein weiterer Grund für eine Verschuldung ist der Unterhalt einer riesigen Staatsverwaltung.
Folgen
Der Staat kann ein Haushaltsdefizit bis zu einem gewissen Grad mittels einer Steuererhöhung ausgleichen. Wenn diese Massnahme jedoch nicht greift und er seine Schulden nicht mehr zu den gleichen Bedingungen zurückzahlen kann, wie er sie aufgenommen hat, dann kann dies zu einem Staatsbankrott führen. Ein sinkendes Wachstum des Sozialprodukts und höhere Zinskosten sind die Folgen. Auch das Risiko einer Banken- oder Währungskrise steigt mit dem Bankrott. Mit der Zahlungsunfähigkeit geht ein Vertrauensverlust gegenüber dem Staat und schmerzhafte Einbussen seitens der Bürger einher.
Unterstützung
Mehrere internationale Institutionen analysieren die Staatshaushalte und helfen Länder in finanzieller Schieflage. Der Internationale Währungsfonds (IWF) kann seine Mitgliedstaaten mit Krediten unterstützen. Der Pariser Club ist ein informelles Gremium bestehend aus 22 Mitgliedern, das aufgrund einer positiven Stimme des IWF mit insolventen Staaten über Umschuldungen verhandelt. Bei Bedarf wird auch der Londoner Club herbeigezogen. Dieser setzt sich aus privaten Banken zusammen und besitzt kein Sekretariat. Er führt Gläubigerbanken und Schuldnerstaaten mit dem Ziel der Umschuldung zusammen.
Schuldenbremse
Die Schweiz führte 2001 als erstes Land die konstitutionell verankerte Schuldenbremse ein. Diese ist ein Instrument zur Steuerung der Gesamtausgaben des Bundes. Ihr Ziel ist eine Stabilisierung der Schulden. In der Hochkonjunktur sollen Überschüsse erwirtschaftet werden, die in einer nachfolgenden Rezession kompensiert werden können. Mehrere EU-Staaten übernahmen dieses Instrument (u.a. Deutschland, Spanien und Bulgarien).
Literaturempfehlungen der BiG:
Weiterführende Links:
- Dossier "Staaten in der Schuldenfalle" aus der Zeitschrift Schweizer Monatshefte digitalisiert (2007)
- Artikel zum Thema "Staatsschulden" aus Gablers Wirtschaftslexikon
- Artikel zum Thema "Verschuldungsquote" aus Gablers Wirtschaftslexikon
- Artikel der Eidgenössischen Finanzverwaltung zur "Schuldenbremse" (2019)
- Umfrage des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu wirtschaftlichen Kennzahlen einzelner Länder
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