Lothar: ein Wintersturm, der das Schweizer Mittelland veränderte
Am Stephanstag vor 20 Jahren, am Vormittag des 26. Dezembers 1999, nahm der Orkan Lothar mit einer Geschwindigkeit von teilweise mehr als 170 km/h Kurs aufs Schweizer Mittelland.

Der Sturm richtete in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland grosse Schäden an. Gebäude, Infrastrukturen und Wälder wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt kamen gegen 80 Personen ums Leben, davon 14 Menschen in der Schweiz während des Sturms und 15 Personen bei anschliessenden Aufräumarbeiten im Wald. Lothar verursachte einen Schaden von rund 1,78 Milliarden Schweizer Franken. Die Bibliothek am Guisanplatz verfügt über Fachliteratur, Zeitungsartikel und Filmbeiträge auf DVD zum Thema.
Grosser Luftdruck, enorme Temperaturunterschiede
Das Phänomen Lothar zählt wie der Sturm Vivian (1990) zu den sogenannten Winterstürmen mit gemessenen Windspitzen mit über 220 km/h. Ein Sturmwind entsteht aufgrund eines grossen Luftdrucks und enormer Temperaturunterschiede zwischen warmer und kalter Luft. Der Orkan Lothar entstand während eines mächtigen Tiefdruckgebiets über dem Nordatlantik und einer sich vom Atlantik her ausbreitenden Frontalzone.
Kahlgefegte Flächen
Innerhalb kürzester Zeit verwandelte der Orkan selbst alte Wälder mit dicken Bäumen in kahlgefegte Flächen. Von der Zerstörung stark betroffen waren in der Schweiz das Mittelland, die Voralpen sowie Gebiete der Zentralschweiz. Laut einer Umfrage der Eidgenössischen Forstdirektion (heute BAFU) bei den kantonalen Forstdiensten betraf die Zerstörung zirka 46'000 ha Wald oder 4,3 Prozent der Schweizer Waldfläche.
Ein grosser Schaden entstand auch an Gebäuden. Die Summe der Gebäudeschäden in der Schweiz betrug 600 Millionen Franken. Strassen und Eisenbahnstrecken wurden durch umgestürzte Bäume unterbrochen. Wegen Störungen und Ausfällen der Telekommunikation und Elektrizität hatte eine halbe Million Kunden längere Zeit keinen Strom. Eine indirekte Folge des Orkans war der Befall des Borkenkäfers.
Armee und Zivilschutz im Einsatz
Die Aufräumarbeiten und Wiederinstandstellung der Wälder und Infrastrukturen wurden durch Forstarbeiter, den Zivilschutz, mittels Armeeeinsätzen und weiteren Menschen und Organisationen geleistet. In der ersten Phase wurde das Nutzholz von Profis geschlagen, anschliessend folgten aufwendige Säuberungsarbeiten.
Mittlerweile wächst auf den Sturmflächen wieder junger Wald. Seit "Vivian" und "Lothar" führten die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), das Bundesamt für Umwelt BAFU sowie weitere Institutionen mehrere Studien durch. Die Lehren daraus dürften bei erneuten Winterstürmen helfen, Schäden zu bewältigen. Denn eines ist klar: Starke Stürme werden auch zukünftig vorkommen. Zur Prävention hat das BAFU das Sturmschaden-Handbuch veröffentlicht. Es hilft bei der Bewältigung von Sturmschäden im Wald.
Literaturempfehlungen der BiG
Weiterführende Links
- Artikel "Stürme" im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS)
- Artikel "Wintersturmschäden im Schweizer Wald von 1865 bis 2014" von Tilo Usbeck auf der Website waldwissen.net
- Die Massnahmen gegen Waldschäden des Führungsstabs Lothar
- Die Geodaten zu den Sturmschäden von Lothar und Vivian vom BAFU
- Artikel zu den Lehren aus den Stürmen Vivian und Lothar von der Eidg. Forschungsanstalt WSL
- Medienmitteilung der WSL: "Stärkere Stürme und grössere Sturmschäden im Schweizer Wald" von Reinhard Lässig auf der Website des Informationsdienstes Wissenschaft idw
- Artikel "Waldverjüngung und Totholz in Sturmflächen" von Thomas Wohlgemuth und Kathrin Kramer auf der Website waldwissen.net
- Sondage sur l'ouragan Lothar sur Journal tsr (25.12.2009)
- Artikel zum Sturm Lothar nach 10 Jahren auf swissinfo.ch (in italienischer Sprache)
- Sendung "Schon vergessen" zum Sturm Lothar im SRF Archiv (26.12.1999)
