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MitteilungVeröffentlicht am 21. November 2025

Vallotton, zwischen Tradition und Innovation

Zum hundertsten Todestag von Félix Vallotton würdigen zahlreiche Schweizer Kulturinstitutionen den Künstler, sein Werk und seinen anhaltenden Einfluss auf die Kunstgeschichte.

Jugendjahre

Der 1865 in Lausanne geborene Félix Vallotton verlässt als 16-Jähriger sein Heimatland und absolviert in Paris an der Académie Julian bei Gustave Boulanger und Jules Lefebvre seine Kunstausbildung. Er taucht in das blühende Kulturleben der Weltstadt ein und entwickelt einen unverkennbaren, anspruchsvollen Stil. Von allem Anfang an malt er Porträts seiner Angehörigen sowie mehrere Selbstbildnisse. 1885 stellt er zum ersten Mal im Salon des artistes français aus. Er nimmt auch an Anlässen in der französischsprachigen Schweiz teil, etwa an kantonalen und städtischen Ausstellungen und schliesslich an der Ersten Nationalen Kunst-Ausstellung von 1890 in Bern.

Holzstich

Ab 1891 widmet sich Félix Vallotton dem Holzstich, einer Technik, die er mit seiner eigenwilligen Herangehensweise weiterentwickelt. Er verzichtet auf übermässigen Detailreichtum und beschränkt sich auf einfache Formen, klare Umrisse und prägnante Schwarz-Weiss-Kontraste. Diese Ästhetik ist stark geprägt vom Einfluss des japanischen Grafikgenres Ukiyo-e, das Vallotton Ende des 19. Jahrhunderts in Paris entdeckt.

Ab 1894 erscheinen seine Holzstiche oft in der Zeitschrift «La Revue blanche» und nehmen verschiedenste Themen aus dem Alltag auf, so etwa in der Serie «Intimités», aber auch aus Politik und Gesellschaft. Diese zugleich klaren und expressiven Illustrationen zeugen von einer scharfen Beobachtungsgabe und einer hellsichtigen Analyse der damaligen Welt.

Vallottons Holzschnittarbeiten tragen in hohem Mass zu seiner Anerkennung als Künstler bei und lassen ihn Teil der Gruppe der Nabis werden, neben Édouard Vuillard, Pierre Bonnard und Maurice Denis, deren Entschlossenheit zum Erkunden neuer plastischer Formen er teilt. Vallotton engagiert sich nicht zuletzt für satirische und politische Publikationen und untermauert damit seinen Ruf als Künstler mit Sinn für die realen Verhältnisse seiner Zeit.

Vallotton als Maler

Gefeiert wird Vallotton für seine Druckwerke, aber er ist auch ein herausragender Maler. Die Heirat mit Gabrielle Bernheim, Tochter des Kunsthändlers Alexandre Bernheim, stellt einen Wendepunkt dar: Vallotton widmet sich von da an der Malerei und entwickelt einen eigenen Stil, der auf seinem grafischen Können aufbaut. 1900 nimmt Vallotton die französische Staatsbürgerschaft an und lebt bald in Frankreich, vor allem in Paris und in der Normandie, bald bei seiner Familie in der Schweiz.

Seine Gemälde, ob Interieurszenen, Landschaften oder Stillleben, sind von einer strengen Komposition, leuchtenden Farbflächen und einer oft rätselhaften Atmosphäre geprägt.

Künstlerisches Erbe und Bedeutung

Félix Vallotton stirbt am 29. Dezember 1925 an den Folgen eines Eingriffs, einen Tag nach seinem 60. Geburtstag. Bis an sein Lebensende hat er immer wieder neue künstlerische Ausdrucksformen erforscht. Er hat sich mit Bildhauerei beschäftigt, war aber auch als Schriftsteller produktiv und entwickelte seine Malerei laufend weiter. Als tonangebendes Mitglied der Nabis-Gruppe spielte er eine zentrale Rolle beim Übergang vom Realismus zur modernen Kunst. Seine Werke zeichnen sich durch strenge Kompositionen, klare Linien und leuchtende Farbflächen aus und geben einen überaus originellen Blick auf die Welt wieder. Er hat ein umfangreiches und vielfältiges Werk mit über 1700 Gemälden, 237 Holzschnitten, hunderten von Zeichnungen und zahlreichen Texten hinterlassen, das heute zum gemeinsamen kulturellen Erbe der Schweiz und Frankreichs gehört und Teil der europäischen Kunstgeschichte geworden ist. Vallottons feiner Humor und seine Gesellschaftskritik gingen mit seinem Tod nicht vergessen, sondern hallen nach, inspirieren zeitgenössische Malerinnen, Druckgrafiker und Illustratorinnen und machen ihn zu einer Schlüsselfigur der Kunstentwicklung und zu einem Vorbild, das nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat.

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