Abheben – 125 Jahre Aero-Club der Schweiz
Der Aero-Club der Schweiz feiert sein 125-jähriges Bestehen. Wer hätte gedacht, dass aus dem Zusammenschluss von einigen engagierten Ballonpionieren ein breit abgestützter Dachverband der Schweizer Luftaviatik und des Luftsports mit rund 20'000 Mitgliedern wird?

Der Aero-Club besteht seit 125 Jahren und umfasst die Sparten Motorflug, Segelflug, Modellflug, Ballonfahren, Fallschirmspringen, Helikopter, Microlight, Amateurflugzeugbau. (Aero-Club der Schweiz). Die regional organisierten Gruppen betreiben eigene Fliegerschulen und fördern den Nachwuchs, erarbeiten in Fachkommissionen einheitliche Konzepte oder führen Wettbewerbe durch. Ebenfalls ist der Aero-Club in der militärischen Vorschulung und Vorselektion für angehende Militärpiloten und -pilotinnen sowie Fallschirmaufklärer und -aufklärerinnen tätig (SPHAIR).
Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich der Aero-Club vom elitären Zirkel von Ballonfahrer zum breit abgestützten Dachverband der Leichtaviatik und des Luftsports.
Heute gliedert sich die Luftfahrt in drei eigenständige Bereiche: die Luftwaffe, den zivilen Linienverkehr sowie die Sport- und Leichtfliegerei. In der Pionierzeit war diese Trennung jedoch noch nicht vorhanden – damals waren private und militärische Fliegerei eng miteinander verflochten.
Ballontruppe
Mitte der 1880er Jahre prüfte der Schweizerische Generalstab den Einsatz von Fesselballonen als militärisches Beobachtungsmittel. Aus der Höhe liessen sich Truppenbewegungen erkennen und das Gelände besser überblicken – die Sicht aus einem Ballon versprach taktische Vorteile.
Gleichzeitig machte Eduard Spelterini mit seinen Ballonflügen von sich Reden und begeisterte mit den neuartigen und spektakulären Luftaufnahmen die Bevölkerung.

Im Jahr 1897 wurde Oberst Theodor Schaeck die Aufgabe übertragen, eine militärische Ballonkompagnie aufzubauen. Unter seinem Kommando startete im Juli 1900 die erste Rekrutenschule auf dem Berner Beundenfeld, wo sich die neue Ballonhalle befand.
Zum Einsatz kamen Drachen- und Kugelballone, welche sich zu Beobachtungszwecken, später auch für die Landesvermessung mittels Fotografien in die Luft erhoben. Blieben die Ballone am Boden «gefesselt», also verankert, konnten Meldungen über Truppenstärken und -bewegungen direkt über eine telefonische Leitung übermittelt werden.

Aufwändig war die Befüllung der Ballone mit Gas, ebenso die Verschiebung der Truppe samt dem benötigten Material. Wie der Bundesratsbeschluss vom 9. April 1901 festlegte, bestand die Balloncompagnie aus 8 Offizieren, 183 Soldaten und Unteroffizieren, 9 Reitpferden, 91 Zugpferden und 28 Fuhrwerken. 1916 war der Bestand an Soldaten etwa doppelt so gross. Für Bahnverlegungen brauchte die Truppe 1910 nicht weniger als 46 Eisenbahnwagen. Deshalb wurde die Ballontruppe 1915 zur ersten vollständig motorisierten Einheit der Schweizer Armee – ein wichtiger Schritt, der die Marschkolonne stark verkürzte (von 350 auf 50 Meter).
Die Ballontruppen blieben stets eine unbewaffnete Beobachtungseinheit. Diese Rolle machten ihnen jedoch zusehends die Flieger der Motorflugzeuge streitig, die Ballone verloren rasch an Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie noch als nächtliche Sperrballone oder für Grenzmarkierungen eingesetzt. 1937 wurde die Ballonabteilung schliesslich formell aufgelöst.
Aero-Club
Schon während der ersten Rekrutenschule diskutierte Oberst Schaeck mit einigen Offizieren die Gründung eines Vereins zur Förderung der Luftschifffahrt, woraufhin sich am 31. März 1901 in Bern der Schweizerische Aero-Klub (ab 1932: Aero-Club der Schweiz AeCS) mit 72 Mitgliedern formierte. Theodor Schaeck amtete als erster Präsident dieses schweizweiten Interessenverbands für Ballonfahrer, dessen Ziele er in seinem Memorial von 1901 folgendermassen erläuterte:
«Ein Verein für Luftschiffahrt soll sich nicht damit begnügen, theoretische Studien zu machen und Vorlesungen zu halten; er muss nützlicher wirken; er muss freie Fahrten organisieren, damit alle, welche sich dafür interessieren, Offiziere, Professoren, Gelehrte, Liebhaber der Naturschönheiten, mit geringen Kosten solche Fahrten machen können. Freie Fahrten, bei welchen die Offiziere der Ballonkompagnie als Führer teilnehmen können, werden für sie eine vorzügliche Uebung und somit auch der Armee nützlich sein.» (abgedruckt in: Erich Tilgenkamp, Band 1, S. 120)
Die enge Verbindung von militärischer und privater Luftfahrt ist klar erkennbar.
Neben aktiven Ballonfahrern gewann der Aero-Klub auch wohlhabende Bürger als Mitglieder und Gönner. So konnte zunächst ein Ballon gemietet und 1903 mit dem «Mars» der erste vereinseigene Ballon gekauft werden. In den folgenden Jahren erwarb der Club weitere Ballone; 1908 besass er bereits deren vier.
Seit 1906 informierte der Aero-Club seine Mitglieder in einem Bulletin über Vereinsangelegenheiten und aviatische Belange (Aero-Revue).
Spektakulär trat der Aero-Club im Jahr 1908 in Erscheinung: Theodor Schaeck und Emil Messner nahmen an der dritten Gordon Bennett-Wettfahrt teil, als erstes Schweizer Team überhaupt. Der Ballon «Helvetia» war erst drei Wochen vor Beginn des Wettbewerbs vom Aero-Club übernommen worden. Die als höchst dramatisch geschilderte Fahrt ab Berlin endete nach einer Distanz von 1190km in Norwegen – die Schweizer hatten gewonnen.
Das siegreiche Team durfte den nächsten Wettbewerb im eigenen Land durchführen. Der Anblick der anfangs Oktober 1909 in Schlieren versammelten Ballone war eindrücklich, gegen 400'000 Personen wohnten dem dreitägigen Spektakel bei. Mit der Ortsgruppe Zürich organisierte der Aero-Club den Grossanlass und erlebte einen beachtlichen Mitgliederzuwachs auf 549 Personen.

Wachablösung - Zeit der Flugzeuge
Kurz nach der Jahrhundertwende wagten sich weitere Flugpioniere in die Luft – Flugzeuge eroberten den Himmel. In der Schweiz begeisterten Oskar Bider und die Gebrüder Henri und Armand Dufaux die Bevölkerung, zahlreiche Flugtage und -wochen wurden durchgeführt.
Zwar reagierten viele Mitglieder des Aero-Clubs zunächst skeptisch auf den Motorflug, doch ab 1909 wurden auch Piloten aufgenommen. 1910 stellte der Club dem 18-jährigen Ernest Failloubaz das erste Schweizer Pilotenbrevet aus.

1911 nahmen erstmals Flugzeuge an Armeemanövern teil, jedoch entstand die Fliegertruppe erst 1914 unter Hauptmann Theodor Real. Die erste schweizerische Fliegerabteilung formiert sich auf dem Berner Beundenfeld mit zehn Piloten und acht Flugzeugen, wobei einige Flieger ihre eigenen Flugzeuge und Mechaniker mitbrachten, drei weitere direkt von der Landesausstellung requiriert wurden. (Blériot-Zweisitzer an der Landesausstellung 1914) Im Dezember 1914 zogen die Flieger nach Dübendorf, wo die Pilotenschule entstand. 1936 wurde die Fliegertruppe zur eigenen Waffengattung.

In der Pionierzeit bestand in der Schweiz keine staatliche Luftfahrtregulierung. Der Aero-Club spielte deshalb eine zentrale Rolle bei Regulierungsfragen und der Ausstellung von Fluglizenzen, den sogenannten «Brevets» für Ballonfahrer und für Piloten. Mit der Gründung des Eidgenössischen Luftamtes 1920 (heute: Bundesamt für Zivilluftfahrt) gingen diese Aufgaben schrittweise an den Bund über.
Darüber hinaus wirkte der Aero-Club aktiv am Aufbau der Fliegerei mit: durch Flugtage, Wettbewerbspreise, der Unterstützung beim Bau von Flugplätzen, Mitwirkung an der Landesausstellung 1914 (Pavillon Luftfahrt) und der Unterstützung der «Nationalspende zur Schaffung einer schweizerischen Militäraviatik» der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (1912).
Quellen und Literatur:
- Literaturliste BiG
- Photos aviation dès 1914. Collection compilée par Hans Bandi (?). 1914-1918
- Accidents d'aviation. Collection compilée par Hans Bandi (?). 1916-1918
Links:
- 125 Jahre Aero-Club der Schweiz – Aero-Club der Schweiz
- Luftfahrt
- Geschichte der Schweizer Luftwaffe
- Die Schweizerische Armee (Stummfilm) Film, 4. Teil: Fliegerabteilung, Min 33 bis 37
- Sammlung Eduard Spelterini, NB: Eduard Spelterini auf Wikimedia Commons
- Schweizer Volk spendet für Flugwaffe!
- Aufruf an das Schweizer Volk
- E-Periodica - Die nationale Flugspende 1913 in Basel : ein Essay über die Verbreitung des Patriotismus vor dem Ersten Weltkrieg
Kontakt BiG
Papiermühlestrasse 21a
CH - 3003 Bern
