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Lothar: ein Wintersturm, der das Schweizer Mittelland veränderte

Am Stephanstag vor 20 Jahren, am Vormittag des 26. Dezembers 1999, nahm der Orkan Lothar mit einer Geschwindigkeit von teilweise mehr als 170 km/h Kurs aufs Schweizer Mittelland.

23.12.2019 | Mathias Kobel

Die Fotografie zeigt ein durch den Sturm Lothar zerstörter Wald oberhalb von Giswil im Kanton Obwalden (Foto: Reinhard Lässig, Eidg. Forschungsanstalt WSL)
Ein zerstörter Wald oberhalb von Giswil im Kanton Obwalden nach dem Sturm Lothar, 2000 (Foto: Reinhard Lässig, Eidg. Forschungsanstalt WSL)

Der Sturm richtete in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland grosse Schäden an. Gebäude, Infrastrukturen und Wälder wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt kamen gegen 80 Personen ums Leben, davon 14 Menschen in der Schweiz während des Sturms und 15 Personen bei anschliessenden Aufräumarbeiten im Wald. Lothar verursachte einen Schaden von rund 1,78 Milliarden Schweizer Franken. Die Bibliothek am Guisanplatz verfügt über Fachliteratur, Zeitungsartikel und Filmbeiträge auf DVD zum Thema.

Grosser Luftdruck, enorme Temperaturunterschiede

Das Phänomen Lothar zählt wie der Sturm Vivian (1990) zu den sogenannten Winterstürmen mit gemessenen Windspitzen mit über 220 km/h. Ein Sturmwind entsteht aufgrund eines grossen Luftdrucks und enormer Temperaturunterschiede zwischen warmer und kalter Luft. Der Orkan Lothar entstand während eines mächtigen Tiefdruckgebiets über dem Nordatlantik und einer sich vom Atlantik her ausbreitenden Frontalzone.

Kahlgefegte Flächen

Innerhalb kürzester Zeit verwandelte der Orkan selbst alte Wälder mit dicken Bäumen in kahlgefegte Flächen. Von der Zerstörung stark betroffen waren in der Schweiz das Mittelland, die Voralpen sowie Gebiete der Zentralschweiz. Laut einer Umfrage der Eidgenössischen Forstdirektion (heute BAFU) bei den kantonalen Forstdiensten betraf die Zerstörung zirka 46'000 ha Wald oder 4,3 Prozent der Schweizer Waldfläche.

Ein grosser Schaden entstand auch an Gebäuden. Die Summe der Gebäudeschäden in der Schweiz betrug 600 Millionen Franken. Strassen und Eisenbahnstrecken wurden durch umgestürzte Bäume unterbrochen. Wegen Störungen und Ausfällen der Telekommunikation und Elektrizität hatte eine halbe Million Kunden längere Zeit keinen Strom. Eine indirekte Folge des Orkans war der Befall des Borkenkäfers.

Armee und Zivilschutz im Einsatz

Die Aufräumarbeiten und Wiederinstandstellung der Wälder und Infrastrukturen wurden durch Forstarbeiter, den Zivilschutz, mittels Armeeeinsätzen und weiteren Menschen und Organisationen geleistet. In der ersten Phase wurde das Nutzholz von Profis geschlagen, anschliessend folgten aufwendige Säuberungsarbeiten.

Mittlerweile wächst auf den Sturmflächen wieder junger Wald. Seit "Vivian" und "Lothar" führten die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), das Bundesamt für Umwelt BAFU sowie weitere Institutionen mehrere Studien durch. Die Lehren daraus dürften bei erneuten Winterstürmen helfen, Schäden zu bewältigen. Denn eines ist klar: Starke Stürme werden auch zukünftig vorkommen. Zur Prävention hat das BAFU das Sturmschaden-Handbuch veröffentlicht. Es hilft bei der Bewältigung von Sturmschäden im Wald.


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